08.03.2010 - 20:19
Kategorie: News, Interviews
Von: Johannes
The Retaliation Process
Hardkern.de: Hey Jury, schön dass Du etwas Zeit gefunden hast um mit uns zu plaudern!
Jury: Ja dass freut mich auch. Per ICQ ist das ja auch eine witzige Sache. Du kannst also nachboren, HaHa.
Hardkern.de: Natürlich! So ist es gedacht! Bevor wir richtig loslegen: Erzähl doch mal etwas über die Band allgemein. Seit wann gibt es euch in dieser Formation? Wo habt ihr vorher gespielt?
Jury: Ähem, TRP gibt es seit dem Frühjahr 2008. Micha, Kummer und ich haben vorher bei Nayled gezockt und daraus wurde so mehr oder weniger TRP. Dennoch ist TRP als eine neue Band zu verstehen und ist nicht lediglich ein Namenswechsel. Die Attitüde unterscheidet sich schon von der ehemaligen Kombo... Mit Christoph kam ein neuer Schreihals dazu, wir machten das "Downfall" - Album in Eigenregie fertig und suchten danach ein passendes Label. Währenddessen stieß dann auch mit Sascha noch mein neuer Gitarrenpartner in Crime zur Band. Joah, und nun ist der Brocken endlich raus!
Hardkern.de: Damit hast Du schon meine These widerlegt, die ich jetzt anbringen wollte. Aufgrund eurer Nachnamen die alle - bis auf Kummer - polnisch bzw. russisch klingen, hatte ich angenommen, dass ihr alle schon irgendwie Sandkastenfreunde seid.
Jury: HaHa, geil, Du bist der erste der uns darauf anspricht. Wir lachen da selber öfter drüber...aber nee, ich hab zwar geringfügig polnische Wurzeln, aber das bemerke ich lediglich im Nachnamen...Jury ist ja wieder russisch, das ist nicht so ganz kongruent gelaufen...Keine Ahnung wie das bei den anderen aussieht, aber wir sind schon alle primär deutsche Mosher.
Hardkern.de: Naja ich hatte zuerst nicht gelesen, dass ihr aus Hamburg seid und hatte auf eine polnische Kombo getippt. Nicht dass das eine Rolle spielen würde, aber lustig ist es irgendwie schon. Euer Sound ist eher klassisch und lehnt sich meiner Meinung nach schon deutlich an die Göteborger Schule an. Unbewusster oder absichtlicher Tribut?
Jury: Stimmt, das spielt auch echt keine Rolle woher man nun kommt oder nicht, schließlich zählt nur die Mucke! Zum Sound: Wenn überhaupt, dann passiert eher unbewusst. Ich empfinde es auch gar nicht so, dass da viel "Göteborg" drinsteckt. Ich würde mal sagen, es ist unsere Interpretation von Melodie und Brutalität. Der Einfluss ist einfach Metal, egal aus welcher Region oder welchem Land dieser nun stammt. Man könnte die Mucke zwar sezieren und würde dann sicherlich viele Einflüsse herausfinden können, aber als Künstler ist das irgendwie komisch, weil man sich ja nicht hinsetzt und sagt, nun wollen wir nach "Stockholm" oder "Amiland" klingen. Jedenfalls machen wir das nicht. Es geht um einen guten Song, der schön knallt.
Hardkern.de: Das zielt habt ihr mit "Downfall" ohne Frage erreicht - da knallt ja so ziemlich jeder Song. Wie war das beim Songwriting? Ging das alles ziemlich zügig von statten oder wurden immer wieder Stellen umgeschrieben und abgeändert? Geht ihr eher "aus dem Bauch heraus" an die Sache heran, oder seid ihr Perfektionisten?
Jury: Danke, das hört man natürlich sehr gern! Also so einen ganz straighten Fahrplan gab es bei diesem Album nicht. Gerade am Anfang haben wir uns schon ganz schön zähflüssig die Köpfe zermartert, da standen wir alle immer zusammen im Proberaum und haben alles von A bis Z ausprobiert, umgewandelt, ergänzt oder wieder weggeschmissen. Und wenn dann mal ein Mitglied nicht anwesend war, war man kaum mehr handlungsfähig. Das war zeitweise einfach unergiebig und hat uns immer mehr angekotzt, so dass wir irgendwann mehr und mehr dazu übergegangen sind, gewisse Riffs, Arrangements oder sogar ganze Songs alleine vorzuproduzieren. Heutzutage kannst Du ja echt viel mit dem Laptop und Rund-E-Mails machen. So ein Song wie "Uprising" hat z.B. sicher 3 Monate gebraucht und war zeitweise purer Stress. "Uncertain" dagegen war - mal die Vorarbeit außen vor gelassen - innerhalb von 3 Proben fertig. Wir hatten die Studiodeadline im Nacken und mussten fertig werden und das hat dann sogar richtig gut geklappt. Mittlerweile gibt es bei uns immer eine Vorarbeit, die sicher 60% ausmacht. Ich denke wir sind insgesamt gesehen eine gute Mischung aus Bauch und Perfektion. Erst arbeiten wir allein, dann kommt die große Klopperei im Proberaum, beides ist wichtig!
Hardkern.de: Ist es denn so, dass die Vorarbeit meistens allen schon einigermaßen gefällt? Oder gibt es auch Situationen, in denen schon mal ein "Hey das ist totaler Schrott, das geht absolut gar nicht" fällt?
Jury: Ja klar, das kommt vor. Neulich wieder. Da produziere ich hier die geilste Scheiße und den Jungs ist das dann zu soft oder so, HaHa! Wenn man so alleine zu Hause hockt und in die Pro Tools-Welten abtaucht verliert man schon mal den Überblick, - da ist das Kollektiv schon wichtig, um nochmal klarzustellen, wohin die Reise gehen soll. Oft wird dann per Mail gar nicht viel dazu gesagt. Entweder kommt ein "Geil" oder "so mittel"; dann weiß man schon Bescheid. Es gibt schon einen großen Kampf in der Band, wir sind dabei aber sehr konstruktiv.
Hardkern.de: Soso, Du bist also der Softie in der Kombo?!
Jury: Nein, gar nicht. Vielleicht bin ich aber der, der die Extreme am liebsten auszuloten versucht. Jemand wie Micha ist sicher "klassischer".
Hardkern.de: Wobei "klassischer", ja nicht "softer" heißen muss. Wie ist der Deal mit Silverwolf zustande gekommen? Aussendung von Promomaterial ans Label oder ist man an euch herangetreten? Gab es da mehrere Interessenten?
Jury: Das stimmt. Ich meine damit, dass Micha eher der Hardcore Typ ist. Ich arbeite hingegen auch gern mit Melodien. Wegen des Deals: Das lief über einen Mitarbeiter unserer jetzigen Promo-Agentur. Dem gefiel das Zeug und er hat uns dann auf Silverwolf aufmerksam gemacht, weil sie über gute Vertriebsstrukturen verfügen. Dann lief aber alles ganz normal. Erst mal per Mail anfragen, dann Promopaket hinschicken, irgendwann den Vertrag ausfeilen und zwischendrin immer ewig warten. Ja, es gab auch noch weitere Angebote, aber die waren aufgrund verschiedenster Gründe indiskutabel, da hätten wir es lieber komplett alleine gemacht. Nun sind wir aber froh, gute Partner zu haben!
Hardkern.de: Silverwolf reißen sich ja momentan so einige Newcomerbands unter den Nagel - da kann man auch gespannt sein, was noch kommen wird. Bist Du mit "Downfall" insgesamt zufrieden? Oder hättest Du im Nachhinein gerne noch Änderungen vorgenommen?
Jury: Ach, irgend ein Haar in der Suppe finde ich eigentlich immer. Dennoch: Für die Umstände, unter denen "Downfall" entstanden ist, ist alles echt gut geworden und ich bin schon verdammt stolz auf dieses Debütalbum, da ich denke, dass es sehr viel zu bieten hat und trotz aller Heavyness sehr "weit" und klischeefrei klingt. Man kann in das Album richtig eintauchen und eine Menge verliebter Details entdecken. Ich sehe aber auf jeden Fall noch Luft nach oben, wie unsere neuen Songs auch beweisen werden. Wir stehen ja erst am Anfang. Wäre alles perfekt, dann könnte man ja auch gleich aufhören, das wäre ja sehr frustig, dann schlechter als zuvor weiterzumachen...
Hardkern.de: Sowas gibt es ja momentan auch zu Hauf. Bands deren Debut richtig stark klingt und das Follow-up ist dann einfach nicht mehr gut. Wie hat sich eigentlich der klare, düstere Gesang entwickelt? War das von Anfang an so geplant, oder hat Christoph einfach mal damit angefangen?
Jury: Ja das gibt es leider total oft. Handwerklich sind die Bands dann vielleicht immer noch gut, vielleicht auch sogar besser geworden, aber irgendwie ist irgendwo die Seele abhanden gekommen. Sowas darf einer Band halt einfach nicht passieren, da muss man sich dann Zeit lassen, bis alles diesen fast magischen Grad erreicht, sonst sollte man aufhören. Ich weiß gar nicht, Christoph steht halt auch sehr auf so düstere bzw. doomige Sachen, ist da ziemlich Underground-kundig und kam irgendwann mit diesem dunklen Klargesang um die Ecke und es passte einfach. Das sind aber echt nur Farbtupfer, die an den richtigen Stellen eingesetzt werden sollen. Christoph findet so New-Metalcore-Klargesang zum Beispiel extrem übel, sowas sollte man sich da nicht drunter vorstellen. Es stützt die Stimmung des jeweiligen Songs halt gut und ist mal was anderes.
Hardkern.de: Genau deswegen war ich von dem Gesang ja so begeistert - weil es eben nicht der typisch hohe, heulerische Gesang ist, der zur Zeit so oft Verwendung findet. Sein Gesang ist erfrischend und bodenständig und passt einfach wie die Faust auf's Auge. Das Feedback zum Album war bisher sicher durch die Bank positiv. Da fühlt man sich schon gut, was? Ruht ihr euch jetzt erstmal etwas auf den Lorbeeren aus, oder geht es direkt mit Songwriting weiter?
Jury: Das ist echt schön zu hören. Wir sind auch wirklich zufrieden mit den allermeisten Reviews, ein paar Gurken sind aber halt auch mal dabei, das ist ganz normal und das muss man als Band auch aushalten bzw. darf da nicht zuviel drauf geben. Jeder Mensch hat halt eine andere Meinung, anderen Geschmack und jeder investiert auch unterschiedlich viel Zeit und Leidenschaft in ein Review. Ich würde also durchaus sagen, dass wir uns prinzipiell gut bewertet und fair aufgenommen fühlen, es sind sogar echt einige überschwängliche Kritiken dabei, wo man nur denkt "Wow". Aber es ist nicht so, dass uns bisher nun jeder 10 von 10 Punkten gegeben hätte. Der Hammer kommt zum Beispiel im neuen Rock Hard, HaHa. Da war ich echt pissed. Insofern kann von ausruhen keine Rede sein. Aber Kritiken lassen wir auch nicht an unsere Mucke. Das hier ist unser Geschmack und wir machen den Shit so wie wir es hören wollen würden. Wir schreiben gerade auch ziemlich fleißig und haben schon 6 Songs zusammen, die sind echt sehr cool!
Hardkern.de: Komm rück raus damit, was steht im Rock Hard?
Jury: Wir hätten zu dem Riffmassaker keine Melodien im Programm, zum Beispiel! Jetzt kommst Du.
Hardkern.de: Ahso, na da hat sich wohl einer nicht die Ohren gewaschen. Kann ich absolut nicht nachvollziehen. Naja, Graupen gibt es immer. Wird man von den neuen Songs denn in absehbarer Zeit was auf eurer MySpace-Seite zu hören bekommen?
Jury: Ja eben, drauf geschissen und weitergemacht. An sich ist das Magazin ja auch ganz cool, jeder hat halt mal Pech. Nein, also das mit den neuen Songs wird schon noch dauern. Bestenfalls stehen die auf dem zweiten Album, irgendwann 2011 ist der Plan. Aber die Zeit wird zeigen ob das ganz fix geht oder nicht. Ob wir mit Silverwolf noch ein Album machen dürfen oder erneut auf die Suche gehen müssen liegt sicher mit an den Albumverkäufen.
Hardkern.de: Habt ihr da denn schon Feedback bekommen, wie sich das Album bisher im Verkauf gemacht hat? Gibt es nur eine CD-Version oder auch Online-MP3-Verkauf?
Jury: Nein, das ist noch viel zu frisch. Es kommt z.B. auch bald eine I-Tunes- bzw. Download-Version und so. Das ist z.B. bisher noch gar nicht passiert. Ich glaube auch, dass die CD noch gar nicht bei allen Händlern angekommen ist. Auch unser USA-Release und das Release-Date in Asien stehen noch aus! Bisher ist das Album immer mehr in Europa erhältlich.
Hardkern.de: Dann drücke ich euch und allen Fans mal die Daumen, dass die Verkaufszahlen so gut sind, dass ihr noch mehr veröffentlichen könnt. Wäre sehr schade, wenn das nicht passiert.Wie sieht es mit einer Tour zum Album aus? Da ist doch sicherlich was geplant, oder?
Jury: Ja wir werden 100% wieder etwas veröffentlichen, weil unsere Band nicht mit einem Deal steht oder fällt. Es würde halt einfach nur schneller gehen wenn die Basis erhalten bliebe. Sieht ja momentan auch alles gut aus. Aber in der heutigen Zeit weiß man ja nie, vielleicht gibt es in ein paar Jahren ja überhaupt keine Plattenfirmen mehr. Eine richtig große mehrwöchige Tour ist leider nicht geplant, sowas zu bezahlen ist halt tierisch teuer, das wäre wohl eher eine Option für das zweite Album. Wir haben aber tierisch Bock jedes Wochenende auf Tour zu sein und überall zu spielen, wo man uns haben will! Gigangebote kann man uns immer unter theretaliationprocess[at]gmx.de zukommen lassen!
Hardkern.de: Wie vereinbart ihr das Touren am Wochenende mit eurem Privatleben? Wie stehen Freundinnen dazu?
Jury: HaHa sie kann das ja mal kurz für mich beantworten. Also unsere Mädels wissen dass wir die Musik zum Atmen brauchen, es gehört einfach untrennbar zu uns. Es macht uns halt glücklich, wer das nicht versteht, hat sicherlich nicht den richtigen Freund gefunden. Das ist bei uns allen soviel ich weiß kein Problem. Man muss halt immer gut im voraus planen, um das Arbeitsleben mit dem Privatleben und der Band zu koordinieren. Aber wo ein Wille ist...
Hardkern.de: Wenn es die Möglichkeit gäbe, dass ihr mit der Band euren Lebensunterhalt bestreiten könntet, aber dafür konstant Touren müsstet - würdest Du dein jetziges Leben dafür eintauschen?
Jury: Es wäre glaube ich in einigen Bereichen ein krasser Einschnitt und würde mir extrem viele Gedanken abringen. Das würde einen ja schon aus allen gewohnten Bezügen rausreißen, aber für meinen Teil - ich glaube ja. Ich würde aber nicht einfach alles aufgeben, nur um mal zu gucken, ob es was werden könnte. Dafür geht es mir so zu gut. Da müsste sich schon Großes abzeichnen und auch ein vertrauenerweckender Masterplan der Plattenfirma dahinter stehen. Ich glaube aber nicht, dass diesen Schritt jeder in der Band gehen würde, was auch verständlich ist. Insofern wäre die nächste Frage, ob es TRP in der Form dann noch geben würde. Ideal wäre für uns so ein Tour-Rhythmus von 1-3 Monaten plus Gigs an den Wochenenden. Dann ginge eventuell beides. Es ist ja auch echt schön, so ein geiles Hobby auf einem professionellen Level zu haben und eben nicht davon Leben zu müssen.
Hardkern.de: Manchmal ist es vielleicht besser gewisse Schritte nicht zu tun - um nicht zuviel aufs Spiel zu setzen. Das war echt ein nettes Gespräch mit Dir - hat Spaß gemacht. Willst Du noch etwas loswerden?
Jury: Ja ebenso. Ist ganz cool auf diese Weise, so bleibt auch mal Zeit zum nachfragen. Insofern war es auch für mich mal anders! Ja eben, der nächste Schritt muss nicht unbedingt immer der Beste für alle sein, auch wenn ich eher ein progressiv ausgerichteter Mensch bin. Weißt Du, wir fühlen uns so einfach wohl, wenn nun noch einige geile Gigs mit unseren eigenen Lieblingsbands oder machbare DIY-Touren reinkommen, dann sind wir erstmal sehr glücklich! Ansonsten will ich noch loswerden, dass alle mal ein Ohr riskieren dürfen, die Bock auf durchdachten Metal zwischen Tradition und Moderne haben! Ich glaube, dass dieses Album eine Menge zu sagen hat und dabei erfrischend klischeefrei ist! Surft einfach mal folgende Links ab und Danke für Eure Zeit:
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