Lavatch - Polygraph

Nach ihrer letzten EP veröffentlichten die Kölner Jungs von Lavatch im Oktober ihr erstes Full-Length-Album über RPHC Records. Unter dem Banner "Polygraph" fasste man elf Songs zusammen, die sich nur noch schwer mit dem vorherigen Release vergleichen lassen. Lavatch haben sich weiterentwickelt. Alte Gedankenmuster wurden abgelegt oder verändert, neue kamen hinzu. Ihrer grundlegenden Fokussierung in Richtung vertrackten Hardcores sind sie jedoch treu geblieben. Die Songs sind weniger aggressiv als auf der EP, bergen aber mehr Groove und Rock-Finesse. Hier geht es nicht mehr nur darum, auf Teufel komm raus hart zu sein und "auf-die-Fresse"-Musik zu spielen. Mit "Polygraph" gehen Lavatch einen Schritt weiter und versuchen den Hörer zu berühren. Welche Gefühle dabei bei jedem einzelnen geweckt werden, kann man pauschal natürlich nicht voraussagen, jedoch ist dies keine Platte für Fans von ausschließlich stumpfer Brutalo-Mukke. Die Songs sind vielschichtig und es braucht ein paar Anläufe, bis man mit dem neuen Werk richtig warm wird. Wenn es dann jedoch zündet, wird man es umso mehr lieben. Klingt soweit recht gut, oder? Lavatch liefern eine solide Platte ab, die die Nachfolge zur EP voll und ganz antreten kann. "I backed the wrong horse" z.B. ist ein extrem guter Track, bei dem die Band zur Höchstform aufläuft. Dreckiges Riffing mit einer darauf folgenden, einnehmenden Melodie und ein paar Groove-Parts. Sehr schön! Auch "On an empty stomach" gefällt gut.

Es fällt jedoch auf, dass die anfängliche Euphorie - ob man diese als "anfänglich" bezeichnen kann, wenn sie erst nach mehreren Durchläufen aufkommt ist irgendwo fraglich - gegen Mitte der Scheibe etwas abflacht. Warum? Ganz einfach: die Strukturen ähneln sich. Es ist fast wie eine Überdosis Lavatch, die man hier bekommt. Die Songs sind gut, keine Frage, doch insgesamt ist es zuviel. Dadurch verliert das Album unglaublich an Wirkung und verfängt sich in einer gewissen Monotonie. So etwas ist der Tod eines jeden guten Albums. Mit "Lies, lies, lies and MacGyver" geht es dann nochmal bergauf, bevor der letzte Track verhallt. Als kleiner Bonus ist noch das Video zum Titeltrack zu sehen, wenn man die CD denn in den heimischen Rechner legen möchte.

"Polygraph" ist ein durchwachsenes Album. Hier mischt sich Euphorie mit kalter Ernüchterung. Wäre zwei Eps "Polygraph - I" und "Polygraph - II" besser gewesen? Vielleicht - man kann es so nicht genau sagen. So wie es jetzt ist, erdrückt sich das Album ein wenig selbst und nimmt sich dadurch an Kraft. Schade.

Lavatch - Polygraph

6/10

Tracklist:

01. Polygraph
02. Pass the buck
03. I backed the wrong horse
04. On an empty stomach
05. Rough on remote-control
06. Bigotry by incense
07. Collapse // Elapse
08. Elegy
09. Fastest lap trophy
10. Lies, lies, lies and MacGyver
11. Crime scene nursery

Lineup:

Marco - Vocals
Jochen - Guitar
Robert - Guitar
Ihsan - Bass
Jannis - Drums

Mehr Infos:

Web: http://www.myspace.com/lavatch

Label: RPHC Records

Genre: Hardcore/ Progressive/ Rock

Store-Date: 16.10.2009

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